23 August 2011

letzter Beitrag vor Santiago

Hallo zusammen!

Das hier wird der letzte Beitrag von mir sein, bevor ich morgen Santiago erreiche. Nachdem es gestern so geschuettet hatte konnten wir in der Herberge die Schuhe mit Zeitungen ausstopfen, leider waren sie heute morgen immer noch nass. Ich bin wieder einmal mitten in der Nacht aufgestanden, um sicher zu stellen, dass ich noch einen Platz in der 120- Betten- Herberge der Xunta bekomme. Ich bin um halb 7 schon auf dem Weg gewesen und konnte kaum den Weg erkennen, dafuer aber die vielen Pilger (hauefig auch nur mit Daypack) vor, neben und hinter mir. Ich habe dann die 19 Kilometer straff ohne Pause durchgezogen, das fruehe Aufstehen sollte ja nicht umsonst gewesen sein. Als ich die Herberge in Pedrouzo dann erreichte waren bereits die ersten 30 Pilger da, aber ich konnte zumindest sicher sein noch ein Bett zu bekommen. Leider mussten wir 2 Stunden mit verschwitzten Klamotten in der Kaelte warten, etwas Trockenes hatte ich nicht, da auch alles andere noch klamm war. Jetzt bin ich aber warm geduscht und habe mir einen Mittagsschlaf, also eine echte spanische Siesta, gegoennt. Als ich eben auf Ortserkundung gehen wollte traf ich wieder einige bekannte Gesichter von den vorherigen Tagen, ein finnisches Paerchen auf dem Weg zur Notunterkunft in der Sporthalle, und Christina, eine deutsche Pilgerin, mit der ich gleich einen Kaffee trinken gehen werde.

Morgen geht es dann auf zu den letzten 20 Kilometern nach Santiago! Die Herberge (@Andrea+ Martin: es ist die Hippie- Herberge, in der wir auch waren) ist bereits reserviert. Ich hatte gestern noch das letzte Bett fuer eine Nacht ergattern koennen. Dann hoffe ich schnell meine Compostela zu bekommen, es muss noch ein warmer Pulli fuer die Busfahrt gekauft werden und dann versuche ich die anderen Pilger wiederzutreffen und mit ihnen Essen zu gehen.

Da sind...
... Edi und Peter, ein ueber 60 Jahre altes Paerchen aus Muenchen, 44 Jahre verheiratet, aber wie frisch verliebt, total fit, lebensfroh und sehr herzlich.
... Christina aus der Naehe von Wolfsburg, die den Weg mit einigem Uebergewicht stemmt.
... ein junges finnisches Paerchen, die trotz der Wochen in der Sonne immer noch sehr bleich sind.
... zwei Mitt- Fuenfziger Lehrerinnen aus Sueddeutschland, die, obwohl sie nicht verwandt sind, eine ziemlich aehnliche Frisur tragen.
... Gerry (wahrscheinlich wird der Name anders geschrieben, aber gesprochen wird er so), ein Bulgarin, die sich gerade jobmaessig neu orientiert.
... Elisa und Daniel, ein Paerchen aus Dresden, die aber bereits heute in Santiago ankommen wollen, um dann noch mehr Zeit in Finisterra zu haben.

Wir sind also ein sehr gemischtes Trueppchen und man laueft sich immer wieder ueber den Weg. Omi und Opi der Bande sind Edi und Peter, die uns auf der Dorf- Fiesta am Sonntag (hatte ich erzaehlt, dass ein Fisch gefeiert wird?) in Sobrado auch erst einmal alle einen Drink spendiert haben.

22 August 2011

Regen, Regen, Regen

Heute Morgen war der Start zwar noch trocken, aber nach ungefaehr 1,5 Stunden fing es ziemlich stark an zu regnen. Es hat bis jetzt noch nicht aufgehoert und wenn man sich nur 2 Sekunden nach draussen begibt ist man klitschnass. Einige kennen ja meine Tueten- Konstruktion, die mich vor Regen schuetzen soll: Es funktioniert nur begrenzt. Mein Rucksack ist oben und am Boden (und dadurch auch meine darin liegenden Jacke) durchgeweicht. Die Tuete, die mich selbst trocken halten soll geht ja leider nur bis zum Anfang der Oberschenkel, das heisst, dass die Hose ebenfalls fast gaenzlich nass ist. Ueber Beine, Arme und Gesicht rede ich mal lieber gar nicht. Das Schlimmste am Regen sind aber definitiv die Schuhe. Nach ungefaehr 5 Kilometern Dauerregen spuerte ich langsam wie das Wasser durchkam. Nach 2 Stunden dann lief ich mit Schmatzgeraeuschen und irgendwie fuehlten sich meine Fuesse an, als klebten sie am Boden fest. Hier in Arzúa laeuft der Nordweg ja jetzt mit dem Camino Francés zusammen und dementsprechend voll sind die Herbergen. Wir Nordpilger hatten zuvor schon Berichte gehoert, dass Francéspilger auf den Nordweg wechseln, weil ihnen der Hauptweg zu voll sei und, dass sich um Betten gepruegelt wird. Als ich hier in Arzúa ankam war die staedtische Herberge schon voll, es blieb also nur eine teurere, private Herberge, aber immerhin habe ich ein Bett bekommen. Ich glaube es hat jetzt auch aufgehoert so stark zu regnen, deshalb werde ich jetzt schnell in den Supermarkt flitzen. Hoffentlich hilft das Zeitungspapier in den Schuhen, sonst muss ich morgen in FlipFlops laufen.

Es sind jetzt also nur noch zwei Tage bis nach Santiago :-) Am Mittwoch werde ich dort ankommen, Donnerstag faehrt dann der Bus zurueck nach Duesseldorf, wo ich am Freitagabend ankomme.

die Stock- Geschichte

Am Morgen in Baamonde, am Samstag, konnte ich meinen Wanderstock nicht finden. Ich musste an diesem Tag schon frueh raus und war mit einer Bulgarin zum gemeinsamen Start verabredet. Wir standen etwas unter Zeitdruck, da die 90 Pilger aus der Herberge in Baamonde fast alle vor hatten in die Herberge mit nur 20 Betten nach Miraz zu gehen. Ich suchte meinen Stock also moeglichst schnell, aber er war nicht mehr an der Stelle, wo ich ihn am Vorabend stehen gelassen hatte. Und auch dort, wo andere Stoecke standen, war er nicht dabei. Ich musste also davon ausgehen, dass ihn jemand anderes schon mitgenommen hatte. Den Hospitalero konnte ich nicht fragen, der schlief wohl noch. Ich bin dann also schweren Herzens ohne Stock los gelaufen. Unterwegs habe ich natuerlich immer Ausschau gehalten, ob jemand meinen Stock hat, aber er tauchte nirgendwo auf. In der Herberge in Miraz habe ich dann spaeter beschlossen nicht aufzugeben und in der Herberge in Baamonde anzurufen, ob er vielleicht doch noch dort lag. Das Problem war, dass ich kein Spanisch spreche. Die Hospitalera in Miraz, eine Englaenderin, behauptete zwar sie spraeche ein wenig Spanisch, mir schien aber, dass die Spanierin, der sie meine Situation erklaerte, nicht allzu viel verstand. Irgendwie ist dann aber mit Haenden und Fuessen deutlich geworden worum es mir ging und die Spanierin versuchte in Baamonde anzurufen. Die klappte zunaechst nicht, aber spaeter versuchte dann ein Freund von ihr Baamonde zu erreichen und konnte Kontakt herstellen (Miraz ist ein ziemliches Dorf, dort gibt es auch nicht immer Handynetz). Nachdem der Spanier, ich glaube Carlos hiess er, dann dem Hospitalero in Baamonde meinen Stock beschrieben hatte, hat dieser sich dort auf die Suche gemacht. Am Abend rief er dann irgendwann zurueck, er hatte den Stock scheinbar gefunden. Jetzt musste das Stueck Holz also nur noch zu mir nach Miraz gelangen. Der Herbergsvater in Baamonde schlug vor ihn in ein Taxi zu setzen, aber das waere doch sehr teuer geworden. Carlos versuchte dann ihm zu erklaeren, dass er ja vielleicht versuchen koennte jemanden zu finden, der am naechsten Tag nicht nur bis Miraz, sondern eine Herberge weiter bis nach Sobrado dos Monxes laeuft. Ich wusste nicht, ob dies gelungen war. Erst als ich gestern dann im Kloster in Sobrado ankam und die spanische Truppe um Carlos wiedertraf, erfuhr ich, dass mein Stock auf dem Weg sei und spaeter hier ankaeme. Ich habe dann schonmal einen Kuchen als Dankeschoen im Dorfladen einpacken lassen und spaeter auch wirklich die drei getroffen, die den Stock zusammen nach Sobrado transportiert hatten. Lustigerweise war darunter eine Deutsche, die ich bereits vom Weg vorher kannte. Ich hatte sie damals nach Avliés kurz kennengelernt. Jetzt habe ich meinen sehr lieb gewonnenen Stock also wieder und habe auch direkt begonnen Weiteres hinein zu schnitzen. Ich lasse ihn jetzt nicht mehr aus den Augen ;-) :-) 

18 August 2011

einige Bilder

Weil es die letzten Mal nicht geklappt hatte, kommen hier ein paar Bilder der letzten Tage. Das Internet hier in Ribadeo ist zwar kostenlos, dafuer aber auch umso langsamer, deshalb sind es nur einige Eindruecke.
ich, Alaine, Jakob, Alex


die Maria wird auf das Fischerboot getragen

so mischen die jungen Spanierinnen Sangria


Lunch vor der Herberge in Arboces

eine schoene Aussicht beim Laufen am Mittwoch

der Garten der Herberge in Tapia de Casariego, ein super schoener Blick aufs Meer

s.o.

die Aknunft in Ribadeo heute, man erreicht die Stadt ueber eine 600 Meter lange Bruecke

das Ritual fuer gute Fischfaenge in Luarca

16 August 2011

Fiesta!

Gestern habe ich einen sehr Pilger- untypischen Tag verbracht. Den recht kurzen Weg nach Almuna bin ich streckenweise zusammen mit Alaine (Spanierin aus Bilbao, war ein Jahr in Berlin), Jakob und Alex (zwei Studenten aus Kopenhagen) gegangen. Zu viert ergeben wir eine recht bunte Mischung und sprachlich verstaendigen wir uns mit einem Gemisch aus Englisch, Deutsch, Spanisch oder auch eingedeutschtem Daenisch. Wir kamen als erste sehr frueh in der Herberge an und haben uns die eine Stunde bis zur Oeffnung der Herberge in einer Bar mit Kakaotrinken vertrieben. Nachdem wir dann alle geduscht waren sind wir in den naechsten groesseren Ort, Lurarca, gegangen. In Almuna gibt es naemlich ausser der Herberge, der Bar und weiteren 5 Haeusern nichts. Wir hatten bereits zuvor gehoert, dass in Luarca eine Fiesta stattfinden sollte, die wollten wir uns nicht entgehen lassen.
Traditionell wurde die Statue der Maria aus der Kirche auf ein Fischerboot gebracht, dann fahren alle Boote aufs Meer hinaus und es wird ein Blumenkranz ins Wasser geworfen. Dieses Ritual soll dazu dienen, dass die Fischer im naechsten Jahr genug fangen. Das Beste an dem Ganzen war, dass wir auf dem Boot mit der Maria rausfahren durften. Wir hatten einen Tipp von einer Freundin von Alaine bekommen, dass wir versuchen sollten auf das groesste Boot mit einem bestimmten Namen, den ich nicht mehr weiss, zu kommen. Wir haben es dann wirklich geschafft mit einem kleinen Paddelboot ruebergebracht zu werden. Es fuehlte sich ein wenig an wie auf der Titanik, alle strecken einem helfende Haende entgegen, damit man aufs Boot klettern kann und nicht ins Wasser faellt und man muss sich total beeilen. Normalerweise waere ein derartiges Ritual wohl nicht allzu spannend gewesen, aber weil wir ja eine Art Touristen sind war es doch ziemlich aufregend. Es standen jede Menge Menschen am Ufer, im Hafen und auf den Huegeln um die Stadt und winken einem zu.
Begossen wurde diese Zeremonie vorher (also schon ab 12 Uhr) und nachher am Abend natuerlich fleissig mit Sidra, Apfelmost, der hier getrunken wird wie Wasser. Die Party mit Musik fand dann draussen im Hafen statt. Es war wirklich ein wenig komisch in Pilgerkleidung und mit Wanderschuhen auf Partymusik zu tanzen, aber es hat total Spass gemacht. Wir mussten dann nur leider schon etwas frueh wieder aufbrechen, da die Herbergen ja immer recht frueh schliessen.

Heute bin ich zusammen mit Alaine ein Stueck im Bus gefahren, da mein Fuss (und ihrer, der voller Blasen ist) die 30 Kilometer nicht ueberstanden haette. Ich konnte mir in einer Apotheke eine Salbe besorgen, hoffentlich hilft die ein wenig. Ein anderer Pilger, der immer sehr nervoes ist, wir nennen ihn "Stressman", gab mir irgendwelche Pillen, aber die werde ich sicherlich nicht nehmen, auch wenn es eine sehr nette Geste von ihm war.

Gerade waren wir zu viert einkaufen, heute gibt es Tortilla mit Salat und Thunfisch. Morgen beginnen dann schon die zwei letzten Tage des Wanderns an der Kueste, denn ab Ribadeo geht es ins Landesinnere. Diese restlichen ca. 30 Kilometer moechte ich noch voll auskosten. Ich hoffe es gibt noch einige schoene Kuestenimpressionen zu sehen! Die letzten Tage waren Weg und Wetter leider eher maessig. Vorgestern regnete es die ganze Zeit, auch gestern musste man am Morgen die Plastiktueten herausholen. Dazu scheint die Sonne kaum, obwohl es recht warm ist. Der Weg fuehrte heute streckenweise direkt an der viel befahrenen Nationalstrasse entlang und zwischendurch dann ueber matschige Trampelpfade. Aber ich bin guter Hoffnung, dass sich dies in den naechsten zwei Tagen aendern wird.

Ich habe heute schon wieder nicht die Moeglichkeit Bilder zu zeigen, hier gibt es keinen Anschluss fuer die SD- Karten.

13 August 2011

viele Huegel am Samstag

So, nachdem der gestrige Tag ueberstanden ist gehts jetzt mit der Laune bergauf...und leider auch mit der Wegstrecke ;-) :-)

Ich bin heute Morgen in Avilés in den Zug gestiegen, es waren auch noch zwei, drei weitere Pilger dabei, das heisst ich bin nicht die einzige, die die ueber 40 Kilometer lange Strecke heut abkuerzt. Die meisten von uns sind dann in einem kleinen, mit Nebel verhangenen Oertchen namens Muros de Nalón ausgestiegen. Von dort aus bin ich dann die weiteren rund 20 Kilometer bis an den Zielort Soto de Luina gelaufen. Es war heute wieder ziemlich sonnig und der Weg fuehrte staendig bergauf und wieder bergab. Dafue fuehrte er aber auch nicht ueber asphaltierte Strassen, sondern durch Euklypthuswaelder. Einmal lief man den Berg eine ganze Weile steil bergauf und hatte dann oben angekommen einen wunderbaren Blick aufs Meer und ein kleine Bucht. Beim Abstieg nach unten muss ich irgendwo ein Schild verpasst haben (obwohl das wohl mehreren passiert ist, wie ich vorhin hoerte), auf jeden Fall landete ich auf einer Baustelle. Ich bin dann dort entlang gestapft, hab mir mit Dornen das Bein aufgekrazt und musste eine ziemlich steile Schotterwand hinunterrutschen. Danach wusste ich nicht mehr wo ich war, habe eine Ehepaar im Auto gefragt und die haben mich kurzerhand eingepackt und das kurze Stueck zurueck zum Camino mitgenommen. Spaeter habe ich dann auch zwei der Pilgerinnen aus dem Zug wieder getroffen und wir kamen dann zusammen an der Herberge an. Die befindet sich heute in einem sehr schoenen, alten Schulgebaeude. Ich zeige das naechste Mal vielleicht ein Bild davon, heute geht das an diesem PC nicht, ausserdem ist das Internet hier sehr teuer.

PS: Ich habe einen neuen Hut! Bild folgt dann ebenfalls spaeter.

12 August 2011

Avilés

Heute Morgen bin ich mit einem sehr schoenen Sonnenaufgang losgegangen. Da seit gestern meine Sehne am Fuss nicht mehr mitmacht habe ich mich heute dazu entschieden weniger zu gehen und mehr Bus zu fahren. Den Grossraum Gijon zu umfahren hatte ich sowieso geplant, also bin ich weiter bis nach Avilés gefahren. Ich war dann ziemlich frueh hier, aber der Hospitalero hat mich nur eine Stunde warten lassen. Also konnte ich schnell meinen Rucksack ablegen und habe mir bereits die Altstadt angeschaut. Die ist wirklich sehr schoen hier. Ich bin schon die ganze Zeit auf der Suche nach einem Hut, aber in dieser Stadt mit immerhin rund 80.000 Einwohnern gibt es keinen einzigen Laden, der so etwas verkauft. Jetzt haben die Geschaefte zur Siesta aber sowieso erstmal geschlossen, deshalb werde ich mir gleich die Parks hier anschauen. Ich habe mich heute mal an eine Empanada (oder so aehnlich?) gewagt. Die war mit Thunfisch gefuellt und wirklich lecker! Viel besser als Baguette mit Tomate und Kaese.   

der Sonnenaufgang heute
 
Empanada mit Thunfisch
 
ein Park hier in Avilés

die Altstadt in Avilés


einsames Pfarrhaus auf dem Berg und kaltes Wasser in La Isla

Von San Vincente bin ich am Mittwoch nur ein relativ kurzes Stueck bis nach Pesués gegangen. Dort bin ich in den Zug gestiegen und bis nach Poo de Llanes gefahren, weil ich dort eigentlich mal den Strand nutzen wollte. Die Herberge, welche privat organisiert ist und deshalb im Sommer auch an z.B. Jugendgruppen vermietet wird, war aber voll. Deshalb musste ich noch ein Stueck weiter fahren und habe damit zwei Tagesetappen an einem Tag hinter mich gebracht. In Nueva bin ich ausgestiegen und die restlichen Kilometer bis zur Herberge Iglesia San Pedro gelaufen. Auf dem Weg dorthin begegnete mir ein Vater- Sohn- Gespann aus Holland. Dass ich die beiden getroffen hatte fand ich spaeter dann sehr beruhigend, weil die Herberge in einem alten Pfarrhaus zusammen mit der Kirche auf einem sehr einsamen Berg liegt. Auch das Dorf im Tal ist nicht das groesste mit nur einer Bar/ Restaurant. Wir kamen also nach einem steilen Aufstieg am Pfarrhaus an und stellten fest, dass die Tuer zwar offen, aber niemand anwesend war. Der Holland- Vater ist dann nochmal ins Dort hinunter und hat dort nachgefragt, ob wir dort oben uebernachten duerften. Spaeter kam dann auch die Hospitalera und brachte noch drei Franzoesinnen mit. Zu sechst haben wir also in diesem Haeuschen uebernachtet und hatten eine sehr erholsame Nacht ohne Geschnarche. Ich war sehr froh, dass ich dort auf dem Berg nicht alleine bleiben musste, da dieses verlassenen Haus mit seinen vielen Spinnen, Eidechsen, klapprigen Fenstern und Toilletten im Innenhof einen etwas gruseligen Charakter hatte. Dieser wurde durch die benachbarten sehr hohen, steilen Berge und grauen Wolken noch unterstuetzt.

Am naechsten Tag habe ich mich auf den langen Weg nach La Isla gemacht. Dieser fuehrte sehr schoen durch huegeliges Gelaende und es gab kaum Asphalt. In La Isla angekommen war ich ziemlich geschafft, da ich die fast 30 Kilometer ohne laengere Pause gegangen bin. Zudem habe ich meinen Raffaello- Hut verloren :-( und da wird es mit der Sonne ganz schoen warm auf dem Kopf. Dann ging mir noch das Wasser aus und dementprechend froh war ich dann in La Isla zu sein. Den Stempel dort holt man sich zuerst bei einer sehr suessen, alten Dame im Ort ab und geht dann hoch zur Herberge, die direkt neben dem Altenzentrum liegt. Zusammen mit einem Daenen, den ich dort traf, bin ich dann an den Strand gegangen und war auch endlich einmal im Wasser. Es gab wenig Wellen, was mir sehr zusagte, aber das Wasser war doch ziemlich kalt!   
ein Blick zurueck ins Tal am Mittwochmorgen


die Herberge in einem alten Pfarrhaus direkt neben der Iglesia San Pedro auf einem Berg


der Strand von La Isla


die Fischsuppen- Sache

Im vorherigen Eintrag hatte ich bereits das gemeinsame Essen in der Herberge in San Vincente angekuendigt. Zu meinem Glueck kam zuvor eine Frau in die Zimmer und fragte, wer Vegetarier sei. Ich habe mich schnellstens (!) gemeldet und bekam dann auch eine Fischsuppen- Alternative :-) Zuvor gab es fuer alle Salat und Brot und dann fuer mich Moehren und Erbsen, die echt heftig gewuerzt waren, was ich fuer dieses Essen ja eher komisch finde... Die Huendin, die mit einer anderen Pilgerin mitlaeuft hat dann ebenfalls Fischsuppe bekommen.
die Fischsuppen- Alternative fuer Vegetarier und solche, die sich als welche ausgeben


der kleinen Hunde- Peregrina schmeckte die Suppe

die mit Bildern von Pilgern tapezierte Herberge

09 August 2011

schummeln erlaubt

Heute habe ich wieder geschummelt :-) Aber ich erzaehle mal lieber von Anfang an...


Von Santander aus ging es gestern erst mit dem Zug einige Stationen bis nach Mogro und von dort aus dann zu Fuss bis zu einer Herberge im Nirgendwo namens Arco Iris. Die liegt mitten zwischen gruenen Huegeln und ausser einem ziemlich starken Wind gibt es dort nichts. Heute bin ich dann von dort aus bis zur vier Kilometer entfernten Kleinstadt Santillana del Mar gegangen (uebrigens die Stadt der drei Luegen genannt: sie ist weder heilig, "santa", noch eben "llana", noch liegt sie am Meer "del Mar"). Dieses kleine Staedtchen ist wirklich sehr suess. Etwas ausserhalb des Ortes liegen die beruehmten Hoehlen von Altamira. Dort haben in der Steinzeit Menschen gelebt und im 17. Jahrhundert wurden von einem Hoehlenforscher, bzw. seiner 9- jaehrigen Tochter, dort Deckenmalereien entdeckt. Diese sind im Original leider nicht mehr anzusehen, da sie vor dem Atem der Besucher und anderen negativen Einfluessen geschuetzt werden sollen, aber es gibt eine Replikation. Diese hab ich mir heute angesehen. Es war zwar nur ein kleines Museum und der Besuch selbst kuerzer als das Anstehen, aber es hat sich gelohnt. Es ist wirklich beeindruckend wie detaillreich diese Menschen damals die Tiere abgebildet haben. Gerne haette ich noch mehr Hintergruende erfahren, aber es wurden den Besuchern leider nicht allzu viele Informationen an die Hand gegeben. Das werde ich dann spaeter alles googlen ;-)
Von den Hoehlen bin ich dann wieder zurueckgestapft nach Santillana und habe mich von dort aus mit dem Bus auf nach Comillas gemacht. Dort wollte ich eigentlich heute bleiben und einen Strandtag einlegen, aber vor der Herberge mit 20 Betten sassen schon 2 Stunden vor der Oeffnung mindestens 30 Leute. Also bin ich mit dem naechsten Bus bis nach San Vincente gefahren und habe hier noch eines der letzten Betten bekommen. Heute Abend gibt es dann ein gemeinsames Essen, ich hoerte etwas von Fischsuppe, da muss ich mich, glaube ich, als Vegetarierin ausgeben...
In Comillas musste ich mich auch von dem deutsch- koreanischen Paerchen verabschieden, sie waren eine der ersten an der Herberge und hatten deshalb die Betten sicher, aber ich werde sie auf dem Weg nicht wieder treffen, da sie sich morgen auf den Heimweg nach Bonn machen.
Morgen geht es dann weiter nach Poo de Llanes, das Stueck ist aber sehr lang, weshalb ich nur 25 Kilometer davon gehen und den Rest mit dem Zug fahren werde. Der Jakobsweg hier an der Kueste ist von der Infrastruktur definitiv nicht mit dem Camino frances zu vergleichen. Manchmal hat man nur die Wahl zwischen Mini- Etappen von 15 Kilometern oder gleich ganzen 40, die mein Reisefuehrer uebrigens auch vorschlaegt. Da ich meine Fuesse aber ganz gern hab und sie mich auch noch bis nach Santiago tragen sollen, spare ich mir die 40er- Etappen und plane stattdessen kleine Spruenge mit dem Zug ein. So wird das Hereinlaufen und Herauslaufen in Gijon, der naechsten grossen Stadt, sowieso landschaftlich eher maessig sein, weshalb ich auch dafuer wieder die fahrende Variante einplane.
Ich wollte eigentlich einige Bilder hochladen, leider ist das hier ein Slomotion- Internet, das heisst Bilder gibt es erst das naechste Mal wieder!

07 August 2011

kleiner Abschied


die Katedrale von Santander

Essen mit Beth und Kirsten

der Hafen von Santander

am Strand mit vielen Urlaubern

wieder eine Bootstour


entweder den Pfad laufen oder ins Wasser fallen, das sagte man uns gestern zum heutigen Weg



Heute ging es auf recht kurzen 15 Kilometern und dem Boot nach Santander. Unterwegs hatte ich einem Fahrradfahrer mit Kreislaufproblemen mein Wasser gegeben und geholfen weiterzugehen. Dieser Radfahrer kam mir dann spaeter am Strand entgegen und ueberreichte mir eine Tuete mit Wasserflaschen, Keksen und Nuessen. Er bestand auch darauf mich bis zur Ablegestelle des Bootes nach Santander zu bringen. Wirklich eine sehr liebe Geste von ihm!!! Auf dem Boot traf ich dann wieder auf das deutsch- koreanische Parchen (wir treffen uns irgendwie immer auf Booten) und wir sind dann zusammen in die Herberge gegangen. 

liebe Leute in Guemes

Um gestern von Oertchen Laredo nach Santona zu kommen musste man mit einem kleinen Boot, welches direkt am Strand ablegt, das Wasser ueberqueren. Auf der anderen Seite bemerkte ich dann, dass ein Paerchen (deutsch- koreanisch), welches ich schon vorher aus Herbergen kannte, auch auf dem Boot war. Wir haben uns dann zusammen auf den Weg nach Noja gemacht. Der Camino fuehrte ueber einen ziemlich steilen Huegel, dessen Pfad sehr schmal war. Es war anstrengend dort hoch zu laufen, aber die Aussicht war gigantisch. Zur rechten und zur linken Seite sah man jeweils den Strand und vor einem direkt das offene Meer. Perfekter Ort fuer eine kleine Pause also! Nachdem wir dann den Berg wieder heruntergelaufen waren, gingen wir ueber den ewig langen, wunderschoenen Strand von Noja. Eigentlich hatte ich vor einen Teil der Strecke zwischen Noja und der Herberge in Guermes mit dem Bus abzukuerzen, weil die Strecke sonst ueber 30 Kilometer gehabt haette, aber es fuhr kein Bus. Als ich mich dann schon damit abgefunden hatte zu laufen, sprach mich das Paerchen wieder an, weil die Herberge, in die sie wollten voll war und sie jetzt ein Taxi nehmen wollten. Ich habe mich ihnen angeschlossen und wir haben uns das Taxi geteilt. Die Herberge in Guemes war dann einfach nur grossartig! Wir wurden direkt mit einem Glas Wasser begruesst und bekamen nachdem wir unseren Stempel bekommen hatten, Mittagessen mit Suppe und Nudeln. Am Abend fand dann eine kleine Praesentation statt, bei der erzaehlt wurde wie die Herberge entstanden ist. Grundstein ist das Elternhaus des Priesters Ernesto. Der war in den 70er und 80er Jahren viel auf Reisen in Afrika und Suedamerika und hat unter anderem in einem Problemviertel von Santander als Priester gearbeitet. Die Herberge wird jetzt von ihm und seinen freiwilligen Helfern betreut, die alle kein Geld dafuer bekommen. Die Herberge finanziert sich nur ueber die Gaben der Pilger. Nach dieser kleinen Geschichte zur Herberge wurden uns dann noch Tipps fuer die heutige Routenplanung an die Hand gegeben und danach wurde zusammen zu Abend gegessen. Danach konnte man noch ein wenig Gitarrenmusik und Gesang zuhoeren und am naechsten Morgen gab es dann ein Fruehstueck fuer alle.
kurz vor der Bootsfahrt nach Santona

das Boot zur Ueberfahrt

der Berg zwischen de zwei Straenden vor Noja

die Herberge in Guemes

Strand und Steilkueste



Der Kuestenpfad macht seinem Namen manchmal wirklich alle Ehre, denn an einigen Stellen laeuft man direkt an der Steilkueste auf kleinen Pfaden oder einfach am Strand entlang.

04 August 2011

Mistwetter in Bilbao, Strand in La Arena

Am Dienstag bin ich in Bilbao angekommen und musste erst einmal feststellen, dass die Herberge geschlossen war. Auf der Suche nach einer Alternative bin ich dann durch die halbe Stadt zu einem Hostel, das war komplett belegt. Die sehr nette Dame am Empfang hat dann aber herumtelefoniert und mir gesagt in welcher Pension noch etwas frei ist. Dann hiess es im Regen zurueck durch die ganze Stadt und ab in die uberteuerte, aber dafuer umso heruntergekommenere Pension. Mittlerweile wars schon 20 Uhr und weiter zu suchen haette wohl wenig Sinn gemacht. Allein das Treppenhaus der Pension liess mich schon hoffen, dass das Haus nicht in der Nacht ueber uns zusammen kracht. Aber es hat gehalten und ich bin dann am Mittwoch zur ersten Etappe aufgebrochen.
die Treppe in der Pension, Bilbao

 Die erste Strecke sollte ca. 26 Kilometer lang sein und ging erst einmal eine ganze Weile am Fluss entlang. Zu sehen gab es ausser der Strasse und alten Industriegebaeuden nicht viel. Bilbao von seiner schoensten Seite also! ;-) In Getxko musste man dann mit einer Art Gondel den Fluss ueberqueren. Viel besser als schwimmen und kostet auch nur 30 Cent. Die Strecke ging dann huegelig weiter bis an den Strand von La Arena. Das war vollstes Urlaubsfeeling! Die Herberge war eine alte Schule (mit 2 Raeumen?) und schon mittags um 14 Uhr, als ich ankam waren 10 Leute da. Weil, je spaeter es wurde, auch immer mehr Pilger ankamen, die 22 Betten aber laengst vergeben waren, wurden viele ausquartiert. Sie durften die Nacht dann unter einem Vordach der Kirche verbringen. War aber anscheinend warm genug, nur etwas hart wegen der Isomatten. Es sind einige Deutsche hier unterwegs, mit denen konnte ich mich dann auch fliessend unterhalten. Mit dem Spanisch braucht es noch ein wenig mehr Uebung ;-) Weil ich ja schon sehr frueh in der Herberge war, bin ich nach dem "Check- in" erstmal an den Strand gegangen. Die Isomatte ist ein super Handtuch- Ersatz zum Liegen, nur ein Buch fehlte noch.
die Gondel zur Ueberfahrt
der Strand in La Arena
 Heute bin ich dann nach dem typischen Spanischen Fruestueck (Kekse, Baguette, Butter, Marmelade und Kaffe oder Kakao) gegen 7:15 aufgebrochen. Der Weg zwang mich zu Beginn direkt zum Fruehsport mit einer echt langen, steilen Treppe. Danach war es aber umso schoener. Der Weg fuehrte hoch oben direkt an der Kueste entlang. Die Sonne stieg langsam hinter mir hinter den Bergen auf und die Bucht mit den Fischerbooten leuchtete blau- rosa. Irgendwann fuehrte der Weg dann ins Landesinnere zurueck und es wurde sehr gruen ueberall. Highlight war die kleine Pause, die ich vorhin, kurz vor Castro- Urdiales, dem Zielort heute, eingelegt hatte. Zwei aeltere Damen machten mir auf ihrer Parkbank Platz und fingen natuerlich auch direkt an mit mir zu quatsche, obwohl ich nur die Haelfte verstehe. Dann bekam ich von Ihnen noch eine Scheibe Vollkornbrot und Schokolade geschenkt, eine echt merkwuerdige Kombination das so zusammen zu essen. Die Staerkung kam aber gerade zur richtigen Zeit, ich hatte sowieso nichts mehr dabei. Spaeter habe ich die zwei dann noch einmal kurz an der Strandpromenade getroffen und sie haben mir total suess zugewunken und Handkuesschen gegeben.
die Treppe am Morgen

Sonnenaufgang an der Kueste

la Playa, Castro- Urdiales (ich bin also nicht die einzige mit einem Raffaello- Hut!)

Boote im Hafen
Ich habe gerade viel Zeit hier einiges zu schreiben, da ich schon fast bei der Herberge bin, die aber, wie ich jetzt erst entdeckt habe, erst um 16 Uhr aufmacht. Deshalb werde ich gleich wohl erstmal einen Supermarkt suchen und mich mit Proviant endecken.